WORTWECHSEL

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Donnerstag, 24.11.2016

Jo Lendle zum Thema

KANN EIN LETKOR MIT SEINEN AUTOREN BEFREUNDET SEIN? AUS DEM NÄHKÄSTCHEN EINES VERLAGES

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Der Tisch, das Symbol des Lektors als Wohn- und Kampfplatz

Die Lebensnotwendigkeiten des Lektors: Intuitiv das Manuskript abchecken nach Dicke, Zeilenabstand, Ränder und ob eine gute Schrift gewählt wurde.

Niemand weiss, was Lektorieren eigentlich ist!

Worüber reden wir, wenn wir über das Lektorieren reden? Man trifft sich, diskutiert, dann geht jeder und schliesst seine Tür.

Mach es (Lektorat) so als wäre es dein eigenes (Manuskript).

Zu der Arbeit des Lektors gehört es, sich für ein Manuskript zu entscheiden. Durch diesen Entscheid erhält der Lektor die Autorität, den Text bis ins Detail anzunehmen. Er darf moralisch, psychologisch und künstlerisch eingreifen, denn er hat sich das Manuskript ausgesucht, es wurde ihm nicht zugeteilt.
Die Grundlagen des Lektorierens sind also die eigene Entscheidung plus das Arbeiten im Austausch. Es ist eine Verabredung, wie man den Text liest. Dadurch wird man zu dem Spiegel für den Autor welcher den Text nicht mit Distanz betrachten kann.

 Wir erwarten jedes Jahr, dass der Autor ausstirbt.

Der Autor als Vermarktungsstrategie um die Maschinerie des Verlages am laufen halten zu können?

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Jennifer König

Neben den Vorträgen geschieht allerlei; da ist beispielsweise eine Tänzerin im Saal Nummer zwei, die immer wieder im hellen Fenster auftaucht. Ihre festen Arme, die an den Fingern verschmelzen, drehen über den Kopf, schwingen mit dem Zopf, wenn sie durch den Raum wirbelt. Hier reckt jemand sein Bein in die Luft, da sehe ich auf gleicher Höhe einen unbekannten Fuss.
Durch die Türen dringt gedämpftes Klavier und Gesang. Oben Geflüster. Irgendwo geht eine Tür auf und um die Ecke kommt ein Typ um die fünfundzwanzig, gross und athletisch, ein kalligraphisches Tattoo am Hals. Mit ihm erscheint eine Tenorstimme, die das Thema einer Operette ins Treppenhaus trägt. Er singt wie andere Leute pfeifen; mit starrem Blick. Als ich ihm aber dabei zusehe, wie er die Stufen hinab steigt, erkenne ich den Ansatz eines Lächelns, bevor sein Kopf im unteren Stockwerk verschwindet.

Alexandra Zysset


Freitag, 25.11.2016

Lore Knapp spricht über

TRANSITORISCHE LITERATUR IM INTERNET. ZUR DYNAMIK LITERARISCHER BLOGS

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Blogs können mehr als Bücher, sie können akustisch und visuell ergänzt werden.

Blogs zur Selbstdarstellung, Werbung, Kommunikation oder Kunst

Es gibt keine Zwischenstufen, kein Lektorat. Text wird sofort einem Publikum zugänglich gemacht.

Vorübergehend, flüchtig. Die Texte sind festgeschrieben. Ganze Einträge können gelöscht werden.

Bloggen verändert das Umfeld. Ist es literarisch ausformuliert?

Prozesshaft und somit Zugehörigkeit zu den performativen Künsten.

Anderer Rhythmus.

Die drei Säulen: Schrittweises veröffentlichen, schnelle Datenvermittlung und Verknüpfung, widerstandsloses schreiben.

Ist ein Blog je abgeschlossen?

Der Schreibprozess als Kunst.

Es fehlt die körperliche Präsenz.

Notizzettel fallen weg.

Ze Zurrealism itzelf

Der andauernde Schreibprozess in Kontext zur Werkästhetik.

Die Kombination von hören und lesen lässt sich so nicht wiederholen.

Blogs ändern sich. Dinge können gelöscht oder verändert werden.

Die Frage nach der Veränderbarkeit.

Buchtext kann ich mehrmals lesen und er verändert sich nicht (die Rezeption verändert sich), Blogs können sich verändern.

Bei einem Blog habe ich das Gefühl, etwas immer zum ersten Mal zu lesen.

Suggestion eines Notizbuches.

Blog zur eigenen Vermarktung.

Literatur als eine persönlichere Kunstform als andere Kunstformen.

 Jennifer König

Vendredi, 25.11.2016

Photoshopschön

Le Mac ouvert devant Lore Knapp pourrait être le Mac de son blog: c’est celui qui commande son PowerPoint. Performance minimaliste, quelques mots en gris sur noir. Sa voix tremble un peu, les chromes de la table brillent. Au moment où elle explique la proximité entre le blog littéraire et les arts performatifs, on entend des chants et des cris: dans la salle d’à côté, des gens tapent dans les mains. Certains spectateurs tournent la tête.

Ces mots que je suis en train d’écrire, là, devant vous, quel est leur statut? Compte rendu? Ébauche d’un texte à venir? Matière brute d’un roman? Réflexion sur la circulation du texte sans intermédiaire? Simple paragraphe qui apparaît sur votre écran à peine j’ai décidé qu’il était assez abouti pour que je puisse, si ce n’est le publier, au moins vous le montrer? En résumé, est-ce que cet article de blog fait lui aussi partie de la littérature transitoire sur Internet dont nous parle Lore, là, sur son estrade, photoshopschön sous le feu discret des projecteurs?

Pierre Fankhauser

Freitag, 25.11.2016

Jerome Fletcher zum Thema

DIGITAL WRITING AS SPEECH ACT

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coding is an embodied practice

we don’t make code speak, code speaks to us

two types of dialog: between the developers of codes itself and the source code is set to setup

schreiben im Source Code selbst um den Prozess des sourcecodeschreibens zu dokumentieren wie bei sea and spar between

digital writing perceives literature writing

wreading = writing and reading
writing is making
reading is consuming
reader as a maker?

reading club
realtime editing in realtime process

writing is an event, not an outcome
Was bedeutet es, wenn man diese Digitalisierung bis heute weiterdenken würde? Gibt es Apps?

 Jennifer König

Vendredi, 25.11.2016

De parfaits wreaders

La performance du texte commence dans la salle: il faut monter sur une chaise et pousser des deux mains le beamer pour les mots de Jerome Fletcher  soient projetés sur l’écran plutôt que sur la table qui sert de support au texte de sa présentation. Puis c’est au micro de faire monter la tension avec une légère mais persistante menace de larsen dans les graves: on se croirait dans un film de David Lynch. Alors les lumières sont éteintes, rallumées, baissées au minimum. Dans la pénombre, Jerome fait remarquer que l’important, c’est qu’on voie les mots, pas lui.

Un texte numérique a besoin d’une machine numérique pour être produit. Mais le contraire n’est pas vrai: on peut utiliser une machine pour composer un texte qui sera imprimé. Pour qu’un ordinateur puisse produire un texte, pour qu’il puisse nous inviter à participer à son élaboration et devenir de parfaits wreaders le temps d’une performance, il a besoin d’un autre texte, d’un pré-texte: le code, mystérieux, que personne à part les initiés ne sait lire. Le code qui n’a qu’un seul sens: ce qu’il fait. Le code qui nous dit, qui formate nos actions et nos comportements. Le code, à lui seul une œuvre d’art.

Pierre Fankhauser

Freitag, 25.11.2016

Claudia Dürr, Vortrag gelesen von Katrin Zimmermann

WITTGENSTEINS WINK UND HASLINGERS HUND. ZU MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DES SPRECHENS ÜBER LITERATUR WÄHREND SIE ENTSTEHT

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Schreiben ist gut, man kann etwas von anderen lernen, das ist keine Schande.

Handeln, zielorientiert sein ohne aus dem Handlungsfluss zu treten und ohne damit Distanz nehmen zu können.

Wie verändert es den Text, wenn man den Arbeitsprozess an sich kommentiert und zum Austausch stellt, zusammen mit dem Manuskript?

Technisches Wissen ist sinnvoll, garantiert aber nicht einen gelungenen Text. Praxiserfahrung.

Sich öffnen (Lektüre, Film, Gespräche), sich schliessen (produzieren von Text oder auch das Nicht-schreiben), als Teil des kreativen Prozesses.

Wenn das Zwiegespräch institutionell wird, ist ein Zeitpunkt vorgegeben für das öffentlich machen von Text während er sich noch im Schaffensprozess befindet.
Beim Lektorat befindet sich der Text bereits in einem abgeschlossenen Zustand.

Mentorat und Lektorat haben beide zum Ziel, im Austausch einen „guten Text“ entstehen zu lassen.

Literarische Qualität ist das Ergebnis von Wertungsprozessen.

Praxisgemeinschaft (aus versch. SchriftstellerInnen) mit massgeblichem Einfluss auf den Schriftsteller, auch wenn dieser zurückgezogen schreibt.

Die Praxisgemeinschaft kann kooperieren, konkurrenzieren, wertschätzen etc. Sie ermöglicht es, der Schreibtätigkeit nachzugehen und sie als sinnvoll zu begreifen.

Der Kennerblick: denken und handeln. Theoriewissen nutzen ohne sich dem bewusst zu sein. Physiognomien und Muster werden rasch erkannt.

Die Schwierigkeit, den Ton eines literarischen Textes zu vermitteln.
Vorlesen zur Vermittlung, es gibt keinen anderen Weg.

Kein analytisches Zerlegen, nur Wahrnehmung

Ton als Bindemittel

Text in den Augen, im Ohr, aber schwer in Worte zu fassen.

Wir wissen mehr als wir zu sagen wissen.

Sich etwas anzueignen ist eine Leistung, die aktiv betrieben werden muss

Eigene Fallbibliothek erweitern

Wo nützt Erfahrung?
Bestimmte Dinge im Text lassen sich schneller erkennen. Zum Beispiel wenn ein Text scheitert.
Gelassenheit, Selbstvertrauen, Selbts-Ermahnung zur Wachsamkeit

Mentorat ist Begleitung, auch im Sinne von Identitätsfindung

Lektorat als Vereinbarung wie man den Text liest.

Sagbarkeit unter dem Aspekt der Wiederholung. Wiederlesen. Wiederschreiben.

Der künstlerische Schaffungsprozess nicht als Problemlösung. Der Mentor als Begleitperson im Schaffensprozess.

Jennifer König

Vendredi, 25.11.2016

Toutes les voix qu’il pourrait écrire

La traduction, c’est apprendre à écrire sous des contraintes extrêmes, apprendre à repousser les frontières de sa propre langue comme l’auteur l’a fait avec la sienne en lui donnant la forme de ce qu’il avait à dire. La traduction ouvre les possibles: l’écrivain cherche sa voix, le traducteur explore toutes les voix qu’il pourrait écrire. La traduction, c’est retrouver la séquence à travers laquelle les informations doivent arriver au lecteur. La traduction, c’est quinze pour cent de travail avec l’original et huitante-cinq pour cent à se débattre avec la langue cible. Et puis il y a cette phrase de Robert Walser que Susan Bernofsky essaie de retrouver, cette phrase si belle qui parle d’oiseaux et qui avait été si bien traduite.

Les exercices que Susan donne à ses étudiants de Columbia sont extrêmement pratiques. Par exemple, des pages avec une version en anglais en haut et une version dans une autre langue en bas: découvrir quel est l’original. Il y a souvent de grandes discussions et un texte où tout le monde ou presque tombe dans le panneau: Pour qui sonne le glas, d’Hemingway. Parce que l’intrigue se déroule en Espagne et que la langue de l’original est inhabituelle, rigide, alors que c’est justement dans la traduction qu’on s’attend à trouver des faux plis. Vous savez, il faut jouer franc jeu avec les étudiants: en définitive, on essaie de leur enseigner quelque chose dont on ne sait pas bien ce que c’est.

Pierre Fankhauser

WAS IN DER KAFFEEPAUSE DAS HAUS VERLÄSST:

oben
etwas
haar
dann
vor
allem
carbonfasern
verschmolzen zu
einem roten cello-
koffer der glänzt
wo er sich wölbt
und platz lässt für
schnecke griffbrett
steg unten noch ein
stück mantel etwas
jeans und stiefel
beim gang über
die strasse

Alexandra Zysset

Vendredi, 25.11.2016

Lire en hors-piste

À la fois animateur, médiateur, éditeur, collègue, écrivain, enseignant et distributeur de trucs, de bons plans, Sylvain Pattieu est à égalité avec ses étudiants, mais sa voix porte un peu plus, ce qui ne veut pas dire qu’elle pèse, même s’il met une note à la fin. Où et comment dire ce qu’il a à dire, avec des pincettes ou de gros sabots, suivant la personne qu’il a en face. Où et comment permettre aux autres participants de s’exprimer sur les textes lus. Plutôt que mentor, trop gourou, Sylvain préfère le terme d’encadrant: lire un texte en hors-piste un texte procure en écho un souffle qui donne envie d’écrire, met en mouvement ce qui n’est pas encore nommé, ce qui est imprononçable.

Ma volonté de travailler avec la typographie n’est pas négociable. Non, vous ne serez pas un auteur solitaire: vous aurez dix lecteurs, vous en aurez vingt! Lou, comme prénom, vous savez, ça fait très classe moyenne supérieure: c’est voulu? En fait, ce texte, vous voulez l’écrire pourquoi? Papa, un jour je pisserai sur ta tête: ça voulait dire qu’il prendrait l’avion pour venir le revoir en Afrique. Vous n’êtes pas leur porte-parole: c’est votre texte, c’est votre voix. L’inceste, c’est moi qu’il l’ai vécu, mais je trouvais ça impudique d’en parler et puis je voulais pas me mettre au centre. Voir que ça bloque aussi pour les autres, vous savez, ça peut être productif! Je sais pas si on a vraiment avancé, moi j’attendais des solutions…

Pierre Fankhauser

Freitag, 25.11.2016

Marie Caffari und Johanne Mohs zu
AUTOR-FIGUR-GESPRÄCHSPARTNER

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Das Mentorat als Möglichkeit, über das Schreiben zu reden.

Diskussion, anschliessend wird es zu etwas Organischem

Der Text als Objekt, der sich nicht auf ein abgeschlossenes Projekt bezieht.

Der Text soll Suchbewegungen machen.

Entstehen lassen und tätig werden. Ins Schreiben kommen.

Der Autor der von seiner Figur geführt wird und umgekehrt.

Mentor fordert auf, immer wieder die Position zu überprüfen und die Erzählform zu hinterfragen.

Der Wunsch an den Mentor nach Absolution

Der Mentor als Co-Autor?

Der Mentor als exemplarischer Leser?

Die Zwangslage durch das Wissen um den Mentor.

Der Mentor der das Schreiben in Gang bringt.

Die fragende Haltung des Mentors, der Studierende als Subjekt.

Was passiert nach der Ausbildung? Sucht der Student wieder nach einem Mentor?

Anerkennung des Textes als literarisch, weil man für das Literatur Institut schreibt.

Der Autor wird zur eigenen Figur.

Jennifer König

Freitag, 25.11.2016

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 Luzia Hürzeler

Freitag, 25.11.2016

Gesprächsrunde mit Silvio Huonder, Claire Genoux, Ruth Schweikert, Silvia Tschui, Gaia Grandin und Donat Blum
Moderation: Daniel Rothenbühler

JUNGE SCHREIBENDE – VOM MENTORAT ZUM LEKTORAT

Der Menti steht im Vordergrund. Eine Beziehung zum Menti knüpfen über den Text. Für den Menti steht nicht nur die Entwicklung im Zentrum, sondern auch der Mentor. Eine Wechselwirkung.

Es geht um Anerkennung.

Keine Wertung, ein aufnehmen und zurückregen.

Verantwortung für den eigenen Text übernehmen.

In einem Mentorat kann es um verschiedenes gehen: Stoffentwicklung, die Textebene, dem Stocken wo man dann die eigene Erfahrung einfliessen lassen kann.

Wichtig sind Wertschätzung, Aufmerksamkeit, das Selbstbewusstsein aufbauen, Selbstvertrauen entwickeln, die Kraft dran zu bleiben, Kollegialität, Legitimation des Schreibens, ernst genommen werden, Zeit nehmen, Motivation.

Im Studium die Frage: „Kann ich schreiben?“. Nach dem Studium lautet sie: „Will ich schreiben?“

Der Mentor ist Autor. Essentiell, da er so versteht, was ein unfertiger Text ist. Wer nicht schreibt, liest einen unfertigen Text wie einen fertigen Text.

Mentor und Student stehen sich nicht gegenüber sondern nebeneinander.

Ein Lektor ist nicht frei mit seinen Kriterien, er unterliegt den Verlagswünschen.

Es gibt keine fertigen Texte, aber gelungene Texte.

Mentorat: Text in der Suchbewegung
Lektorat: Text schon in einem finalen Bogen

Dreierbeziehung: Mentor – Student – Text

Kommentare einzuordnen lernen

Gesprächskompetenz erwerben als Schutz

Jennifer König

 

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