Die Kunstfigur als „performativ ästhetisches Gesamtkunstwerk“

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Die Kunstfigur Maria Marshal. (Foto: Clemens Laub)

Bei Kunstfiguren handelt es sich um ein gesellschaftlich und medial weit verbreitetes Phänomen, das auf so unterschiedliche Erscheinungen wie Lady Gaga, Conchita Wurst, Borat, Charlie Chaplin oder den Harlekin angewendet werden kann. Eine klare Definition, was eine Kunstfigur ist und inwiefern sie sich von anderen Begriffen wie zum Beispiel Alter Ego, Star oder Image abgrenzen lässt, gibt es bislang nicht.

Unter Kunstfiguren verstehen wir künstlerisch gestaltete Identitäten, welche von Künstlerinnen und Künstlern in unterschiedlichen Kontexten performt werden und sich von der Alltagsidentität der Künstlerinnen und Künstler unterscheiden. Wir gehen von der Arbeitshypothese aus, dass sich eine Kunstfigur dadurch auszeichnet, dass sie dem Inhalt ihrer künstlerischen Aussage durch die Gestaltung der Figur eine Form gibt und unabhängig von einer Bühne agieren kann. Eine Kunstfigur wäre demnach als ein „performativ ästhetisches Gesamtkunstwerk“ zu verstehen – um eine Formulierung des Journalisten Jan Feddersen zu verwenden -, das Inhalt, Form und Bühne in sich vereint (Kandathil 2015, S.3).
Im Rahmen des BFH Vorprojekts befassen wir uns mit zeitgenössischen Figuren, die deutlich als künstlerisch geformte Kunstfiguren erkennbar sind und genutzt werden, um gesellschaftsrelevante und politisch brisante Themen anzusprechen. Ausgehend von der zentralen Forschungsfrage, wie sich das Phänomen der Kunstfigur als „performativ ästhetisches Gesamtkunstwerk“ beschreiben lässt, möchten wir zum einen wissen, wie zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler ihre Kunstfiguren erarbeiten, und zum anderen ergründen, welche künstlerischen beziehungsweise auch persönlichen, politischen oder gesellschaftlichen Anliegen mit ihrem Auftreten verbunden sind. Mithilfe von teilstandardisierten Interviews werden wir Künstlerinnen und Künstler aus dem deutschsprachigen Raum zu ihren Kunstfiguren befragen und ihre künstlerische Praxis mit der Methode der Fotoelizitation reflektieren lassen.
Dem Forschungsprojekt liegt zudem der Ansatz des ‚embodied knowledge’ von Julian Klein zugrunde. Zusätzlich zu den Interviews wird die Kunstfigur Maria Marshal im Rahmen von verschiedenen künstlerischen und wissenschaftlichen Veranstaltungen Aktionen durchführen, die mithilfe der ethnographischer Methoden ausgewertet werden. Das aus der künstlerisch-forschenden Praxis resultierende Wissen wird so für die weitere wissenschaftliche Auswertung nutzbar gemacht.


Projektleitung:
Sibylle Heim

Mitarbeit:
Maria-Theresia Kandathil

Beratung:
Fabiana Cazzola-Senkpiel
Johannes Kram (Autor und Marketingstratege)
Priska Gisler
Wolfram Heberle
Maria Marshal

Laufzeit:
01/2017-08/2017

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